Aufschlag, Annahme und 3. Ball gegen Linkshänder (TdW#12)

Viele Spieler haben Probleme damit, gegen Linkshänder zu spielen. Das liegt ganz einfach daran, dass es deutlich mehr Rechtshänder gibt und wir deshalb auch im Training nicht viele Möglichkeiten bekommen, gegen Linkshänder zu üben.

In unserem vorherigen Tipp der Woche hatten wir betont, wie wichtig der Aufschlag, die Annahme und der dritte und vierte Ball eines Ballwechsels sind. In diesem Tipp der Woche möchte ich dir ein paar Tipps zum Aufschlag, Rückschlag und dritten Ball gegen Linkshänder geben!

Aufschläge gegen Linkshänder

Der Vorhandaufschlag, der normalerweise aus der Rückhandecke gespielt wird, kann gegen Linkshänder effektiv sein, aber es ist notwendig, ein wenig mehr über die Platzierung nachzudenken. Linkshänder sind in der Regel in der Mitte und zum Beispiel aus der Vorhandecke stark.

Oft kann man sich jedoch einen Vorteil verschaffen, indem man einen langen, geraden Aufschlag auf die Rückhand oder einen kurzen Aufschlag in die Mitte oder in einem weiten Winkel auf die Vorhand spielt. Ein weiteres Manöver kann darin bestehen, den gleichen Aufschlag aus der Mitte zu spielen und einen weiten Winkel sowohl zur Rückhand als auch zur Vorhand des Gegners zu erreichen.

Rückhand-Pendulum, Vorhand-Reverse-Pendulum oder Tomahawk-Aufschläge können ebenfalls von Bedeutung sein, da sie es ermöglichen, dass sich der Ball in die Rückhand des Linkshänders hinein dreht und es ihnen schwer macht, umzuspringen und mit der Vorhand anzugreifen. Diese Aufschläge können variabel platziert werden: Wenn der Gegner auch einen starken Rückhand-Topspin hat, sollten sie kurz in die Rückhand gespielt werden, ansonsten können sie entweder lang oder kurz und auch auf den Ellenbogen gespielt werden.

Den Tomahawk-Aufschlag kannst du von verschiedenen Positionen aus spielen, ich spiele ihn am liebsten von der Vorhandseite aus, manchmal aber auch aus der Rückhand. Die anderen Aufschläge kannst du am besten von der Rückhand oder Mitte aus spielen.

Wie bereits erwähnt, haben Linkshänder oft eine starke Vorhand, die sie versuchen, über einen großen Teil des Tisches zu spielen. Das kann sie etwas anfällig für kurze Aufschläge in die Mitte oder weit auf die Vorhand machen, besonders wenn der nächste Ball lang in die Ecken oder in den Körper gespielt wird. Ein gewöhnlicher Unterschnitt-Aufschlag kann besonders effektiv sein, wenn er kurz auf die Vorhand oder in die Mitte gespielt wird.

Rückschläge und dritte Bälle gegen Linkshänder

Aufschlag-Annahme und der 3. Ball sind gegen Linkshänder entscheidend. Sie sind in der Regel stark auf der Vorhandseite, und wenn man ihnen erlaubt, ihre Stärke einzusetzen, können sie einem das Leben sehr schwer machen. Ihr Topspin enthält oft Seitschnitt-Elemente, und da sich der Ball dann zur Rückhand wegdreht, ist dies eine untypische Situation, welche die meisten Rechtshänder nicht trainiert haben und sich deshalb nur schwer darauf einstellen können.

Eine gute Taktik besteht oft darin, viele parallele Bälle zu spielen, vor allem auf die Vorhand des Linkshänders, aus der Vorhandecke oder aus der Mitte. Es ist auch wichtig, die Rückhand gegen Linkshänder einzusetzen, sie weit auf die Vorhand zu zwingen und dann beim nächsten Ball zurück in den Körper oder weit auf die Rückhand zu spielen. Das gilt sowohl für Rückschläge als auch für den dritten Ball oder auch darauffolgende Schläge.

Wohin du den Rückschlag platzieren solltest, hängt im Wesentlichen auch davon ab, wo der Gegner gerade steht (weit in der Rückhand, ehr in der Mitte, nah am Tisch, weiter weg?) und was seine bevorzugte Seite und Spielweise ist. Häufig sind Linkshänder immer bereit, auf der Rückhandseite auf die Vorhand umzuspringen und mit der Vorhand anzugreifen. Daher ist es oft nicht ratsam, lang und passiver auf die Rückhandseite zu spielen.

Eine bessere Taktik ist es, den Ball kurz auf die Vorhand oder die Mitte zu spielen oder ihn lang und direkt in die Vorhandecke mit einem Topspin zu spielen. Die Platzierung in die weite Vorhand kann oft nützlich sein, da viele Linkshänder sehr weit in der Rückhand stehen.

Anpassungsfähigkeit

Wie wir in anderen Artikeln betont haben, besteht die wichtigste Fähigkeit im Tischtennis ganz einfach darin, sich an eine ständig wechselnde Situation anzupassen. Die meisten von uns trainieren eher gegen Rechtshänder, und wenn wir auf Linkshänder treffen, finden wir ihre Aufschläge und Taktiken ungewohnt und können uns nicht so schnell darauf einstellen.

Unsere automatisierten, „eingefahrenen“ Reaktionen lassen uns im Stich, wenn wir in einer automatischen Situation bewusste Gedanken einbringen müssen. Deshalb ist es wichtig, dass die Spieler gegen Linkshänder mit unterschiedlichen Spielstilen trainieren, und zwar schon in jungen Jahren. Oft ist es auch notwendig, dass wir beim Training und im Spiel gegen Linkshänder bewusst andere, neue Taktiken anwenden.

Wenn wir zum Beispiel auf einen linkshändigen Verteidiger mit langen Noppen auf der Rückhand treffen, spielen wir mit der Vorhand diagonal zu den Noppen einen Topspin. Für viele Rechtshänder ist dies kein Szenario, für das sie trainiert haben, und es erfordert eine Anpassung (beispielsweise mehr parallele Topspins spielen oder mit wenig Spin in die Vorhand des Gegners spielen).

Das waren einige Tipps für das Spiel gegen Linkshänder. Ich hoffe, dass dir diese Tipps für deine nächsten Spiele gegen Linkshänder helfen!

Johannes spielt seit über 15 Jahren Tischtennis, zuerst draußen auf der Steinplatte und seitdem er 12 Jahre alt ist im Verein SC Siemensstadt in Berlin. Mittlerweile ist er dort nicht nur Spieler, sondern seit einigen Jahren auch Trainer und Jugendwart und konnte in diesen Funktionen wertvolle Erfahrungen sammeln, welche er über TT-Test mit euch teilen möchte.

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